Speedreading, lesend Zeit sparen

Wer kennt nicht die Situation, dass einem während dem Lesen von Uni-Büchern (für Prüfungen, Seminararbeiten
oder Ähnliches) gleichzeitig vollkommen andere Gedanken durch den Kopf schwirren? (Habe ich den Herd ausgeschaltet?
Ob mir Mr. X wohl schon auf mein Mail geantwortet hat? Was muss ich heute alles noch einkaufen? Und vieles mehr).

Der Grund für dieses Phänomen liegt darin, dass beim Lesen nur 25 Prozent unseres Gehirns tatsächlich genutzt
werden. Die restlichen 75 Prozent des Gehirns langweilen sich und lenken uns davon ab, uns nur mit dem Gelesenen
beschäftigen zu können. Ebenso führen häufi g auftretende Lesefehler zu einem langsameren Lesetempo.
Der Begriff der Zeitvergeudung ist wohl zu weit hergeholt, aber dass hier enormes Potential zur Zeitersparnis besteht,
ist klar.

Schneller vorwärts durch rückwärts lesen

Bei einem Speedreading-Seminar wird zum Beispiel gelernt, wie mehrere Wörter auf einen Blick erfasst werden können,
oder wie eine Zeile vorwärts, die nächste rückwärts oder eine komplette Seite im Zickzack gelesen werden kann. Das
wichtigste Instrument dabei ist ein Stift oder ein Finger, der den Augen den Weg weist und so Abschweifungen selbiger
vermindert.
Durch die erhöhte Geschwindigkeit des Lesens setzt sich der/die Leser/in automatisch intensiver mit dem Text oder
dem Buch auseinander und lässt sich nicht so einfach durch aufkeimende unpassende Gedanken ablenken.
Wäre es nicht schön, einen dicken Wälzer mit ungefähr 600 Seiten in vier Stunden durchackern zu können? Klingt zwar unmöglich, ist aber gar nicht so schwer zu schaffen, wenn man die faszinierende Technik des Speedreading beherrscht.
Das ist auch der Grund dafür, warum Speedreading extrem anstrengend ist, denn bei dieser Art des Lesens wird ein viel
größerer Teil unseres Gehirn-Potentials verwendet. Genau das wiederum bedeutet eine effi zientere Nutzung unserer
Zeit.
Der/die durchschnittliche erwachsene Leser/in schafft es, ungefähr 165 Wörter pro Minute(wpm) zu lesen, was eher
niedrig ist, wenn man bedenkt, dass unser Gehirn durchaus in der Lage ist, 800 – 1000 wpm zu verarbeiten.
Durch ein achtstündiges Speedreading-Seminar und zwei Wochen konsequentes Üben ist es möglich, die eigene
Lesegeschwindigkeit zu verdoppeln oder sogar zu verdreifachen und trotzdem den Textinhalt gut erfassen zu können.
Geübt wird am Besten mit einem Metronom, denn so wird sichergestellt, dass eine gleichmäßig schnelle Geschwindigkeit
beibehalten wird.
Aus Erfahrung kann ich sagen, dass einem am Ende des achtstündigen Seminars eine Metronom-Geschwindigkeit
von 400 wpm schon ziemlich langsam erscheinen, was am Anfang des Seminars unvorstellbar war.

Rentiert es sich?

Bereitet sich ein/e Student/in zum Beispiel ungefähr 80 Stunden auf eine Prüfung mit einem Lernstoff von 300 Seiten
vor (Zusammenfassung schreiben, Text mit Textmarker markieren, Buch lesen etc.), so hätte derjenige/diejenige in
dieser Zeitspanne das Buch zirka 40 Mal (Geschwindigkeit von 800 wpm) lesen können. Und seien wir ehrlich: So oft
muss niemand ein Buch lesen um den Stoff zu beherrschen.
Alles in allem kann Speedreading einem/-r Studenten/-in viel Zeit ersparen und es wäre durchaus sinnvoll, wenn
nicht sogar notwendig, derartige Seminare bereits zu Studienbeginn an der Uni für Studierende anzubieten.
Denn „mit dem Speedreading ist es wie mit dem Radfahren. Wenn Sie es einmal gelernt haben, beherrschen Sie
es ein Leben lang“, so Speedreading-Trainerin Dr. Marion Schultheiss.

Eva Maria Diendorfer
Wirtschaftsuniversität Wien
(Uni-Versum, Ausgabe 1/ Januar 2009)

 

Link zum .PDF: UniVersum_Jan09

 

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